Zentrale Tagungsbotschaft:
„Zuhören statt Zureden“
Dissen a.T.W.: Impulse bei der Tagung der Jugendberufsagenturen
„Zuhören statt Zureden“
„Wer junge Menschen erreichen will, muss zuerst lernen, ihnen wirklich zuzuhören“ Das war die zentrale Botschaft bei der Tagung der Teams „Jugendberufsagentur in Schule“ im Landkreis Osnabrück. Rund 80 Fachkräfte aus Schulen, der Agentur für Arbeit und dem Übergangsmanagement der MaßArbeit kamen zur Tagung zum Lernstandort Noller Schlucht in Dissen, um neue Impulse für die Arbeit zu erhalten.

Im Mittelpunkt der Tagung stand der Vortrag von Dr. Daniel Hunold, Professor an der technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, unter dem Titel „Motivation und Arbeitsstrategien“. Der Referent zeichnete ein Bild von Kindheit und Jugend, das die Teilnehmenden nachdenklich machte. Es sei womöglich noch nie so schwierig gewesen, in der westlichen Welt jung zu sein wie heute. Zwischen schulischem Druck, sozialen Erwartungen und digitaler Dauerpräsenz müssten Jugendliche ihren eigenen Weg finden. Bis zu 60.000 Gedanken am Tag, so eine seiner Zahlen, prasselten auf sie ein. Orientierung falle da nicht leicht.
Ein Schlüsselbegriff seines Vortrags war die Selbstwirksamkeit, das Gefühl, das eigene Leben beeinflussen zu können. Für Dr. Hunold entsteht dieses Gefühl nicht durch große Sprünge, sondern durch Struktur und Wiederholung. „Übung macht den Meister. Wer erlebt, dass er sich auf sich selbst verlassen kann, gewinnt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.“ Gleichzeitig machte er deutlich, dass viele junge Menschen genau hier Schwierigkeiten haben. Etwa 80 Prozent kämpfen vor allem mit emotionalen Herausforderungen.
Deutlich wurde der Referent auch beim Thema digitale Medien. Er schilderte eindrücklich, wie kurze, schnelle Inhalte die Wahrnehmung überfordern und Stress erzeugen können. Sein Plädoyer war klar: weniger Ablenkung, mehr Konzentration, zurück zu sich selbst. Wer soziale Medien bewusst reduziere, schaffe Raum für Gespräche, für Lernen und für echte Erfahrungen. Eine smartphonefreie Zone, echte Begegnungen, ein Spaziergang statt Bildschirmzeit – all das könne helfen, wieder bei sich anzukommen. Lernen müsse zudem interessant sein und sich an realen Situationen orientieren. Besonders produktiv werde es dann, wenn Kopf, Bauch und Hand zusammenwirken.
Für die Arbeit in den Jugendberufsagenturen leitete der Referent daraus konkrete Impulse ab. „Menschen wollten gehört werden, und sie müssten auch bereit sein, Hilfe anzunehmen.“ Das bedeute für Beratende, Geduld auszuhalten, Pausen zuzulassen und Beziehungen aufzubauen, bevor Lösungen präsentiert werden. „Beratung beginnt nicht mit Ratschlägen, sondern mit Zuhören.“
Bildunterschrift:
Nahmen an der Tagung der Jugendberufsagenturen teil (v.l.): Derk van Berkum, Lernstandort NollerSchlucht, Dr. Daniel Hunold, Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Susanne Steininger, MaßArbeit, Kristina Steinhake, MaßArbeit, Magdalena Singh, Agentur für Arbeit, Malte Kampmeyer, Agentur für Arbeit.
Quelle: Pressemitteilung MaßArbeit
Kooperation als Erfolgsmodell
Der B.O.P. ist eine enge Kooperation der Stadt Bramsche, der MaßArbeit und der Hauptschule Bramsche – ein Format, das sich seit Jahren bewährt.
„Wir sind stolz darauf, dass wir gemeinsam ein Angebot geschaffen haben, das junge Menschen wirklich erreicht“, sagte Anette Marewitz, stellvertretende Bürgermeisterin.
„Hier entstehen Kontakte, die in Ausbildung und Arbeit münden – das ist echte Zukunftssicherung für die Region.“
Regionale Unternehmen zeigen große Vielfalt
Die Unternehmen präsentierten sich mit anschaulichen Arbeitsproben:
- Laboranalysen bei der Leiber GmbH,
- praktische Gartenbauarbeiten,
- Metallverarbeitung,
- handwerkliche Tätigkeiten in verschiedenen Gewerken,
- technische Aufgaben bei der LEAR Corporation und weiteren Betrieben.
Besonders wertvoll war dabei der Austausch mit Auszubildenden, die oft selbst ehemalige Schülerinnen und Schüler der Region sind.
Nachfrage gestiegen – Erfolgsmodell setzt sich durch
Dass das Konzept aufgeht, zeigt die Entwicklung deutlich:
„Früher mussten wir hinter den Betrieben herlaufen. Heute müssen wir die Teilnahme auf 50 bis 60 Firmen begrenzen“, erläuterte Klaus Sandhaus (Wirtschaftsförderung Bramsche).
Mehr als nur Infobroschüren
Damit die Gespräche gezielt verlaufen, wurden Giveaways nicht direkt verteilt, sondern in einer Tombola gesammelt und verlost. Dazu gab es Würstchengrillen des Fördervereins und musikalische Begleitung.
Bildunterschrift: Freuen sich über die große Resonanz (v.li.): Lars Hellmers (Vorstand MaßArbeit), Dorte Hierse (Schulleiterin Hauptschule Bramsche), Anette Marewitz (Stellv. Bürgermeisterin der Stadt Bramsche).
Foto: © MaßArbeit - Sandra Lüders
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